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Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert im Bozner Ansitz Schrofenstein
LPA - Eine sensationelle Entdeckung wurde im vergangenen Jahr im Zuge der Restaurierung und des Umbaus des Ansitzes Schrofenstein in der Bozner Vintlergasse gemacht. In einem Raum im ersten Stock stieß man während der Wandreinigung auf gut erhaltene profane Wandmalereien aus der Zeit um 1400. Denkmalpflege-Landesrätin Sabina Kasslatter Mur bezeichnete bei der heutigen (Dienstag, 20. März) Vorstellung der Wandmalereien die vom Land Südtirol geleistete finanzielle Unterstützung der Restaurierungsarbeiten - auch angesichts des rücksichtsvollen Umgangs mit den wertvollen Malereien und der historischen Bausubstanz - als Investition ins Geschichtsbewusstsein.
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Die zeitlichen auch als inhaltlichen Parallelen zwischen den Wandmalereien des Ansitzes Schrofenstein und von Schloss Runkelstein wurden bei der heutigen Vorstellung denn auch von Waltraud Kofler Engl, Direktorin im Landesamt für Baudenkmäler, hervorgehoben: "Bereits 1885 waren im Saal des ersten Obergeschoßes Fragmente von Wandmalereien mit ritterlichen Kampfszenen und die Beischrift 'Tristan' entdeckt worden. Diese Arbeiten wurden allerdings durch einen Umbau 1989 stark beschädigt. Die Verbindung mit den Wandmalereien von Runkelstein (Tristanzimmer) wurde schon bei deren Entdeckung erkannt und führte 1891 zur Überlegung, die Bilder abzulösen und nach Runkelstein zu bringen, was dann nicht geschah. Die nun entdeckten und weitaus besser erhaltenen Wandgemälde belegen, dass Niklaus Vintler – Inhaber wichtiger wirtschaftlicher Schaltstellen in Bozen, Landrichter von Gries und der Wangergasse, Pfleger des Bozner Heiliggeistspitals und schließlich oberster Amtmann in Tirol und damit erster Finanzbeamter des Landes – sein Stadthaus mit Darstellungen derselben ritterlich-höfisch-literarischen Thematik und möglicherweise durch die gleichen Malerwerkstätten wie Runkelstein ausstatten ließ."
Die nun entdeckten Wandmalereien stellen Szenen aus der Sagen-, Ritter-, Minne- und allegorischen Literatur und Dichtung des Mittelalters dar. Über einem gemalten Wandbehang mit dem Vintlerwappen zieht sich ein fortlaufendes Bildfries mit einer Jagdszene an der Nordwand über die Ostwand mit ritterlichen Kampfszenen, höfischen Damen sowie einer noch nicht entschlüsselten Szene mit vier Frauen, die einen rot glühenden Gegenstand schmieden. Dem Malereifund messen die Denkmalpfleger besondere Bedeutung zu, "weil profane gotische Wandmalerei in von Umbauten stark betroffenen Stadthäusern in sehr geringer Zahl erhalten sind und das Vintlerhaus Nummer 2 somit einen wertvollen Einblick in die städtische Wohnkultur dieser Zeit bietet".
Das Gebäude befindet sich heute im Besitz der Stiftung Franz de Paula von Mayrl, die 2005 Umbau und Restaurierung in Angriff nahm, um das Mietshaus an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Im Auftrag des Stiftungsgründers, der das Gebäude als "Arbeiterhaus" genutzt wissen wollte, fließen die heutigen Mieteinnahmen, wie Peter von Aufschnaiter als Vertreter der Stiftung heute erklärte, karitativen und sozialen Zwecken zu.
Die Sanierung des Gebäudes unter der Leitung von Architektin Veronika Gröber Ortner umfasste die Neueindeckung des Daches, die Erneuerung der Fenster und sämtlicher Installationen, den Einbau einer Heizung, die Fassaden- und Innenrestaurierung und die Errichtung eines neuen Erschließungsbaus an der Nordseite. Im Gebäude sind nun acht Wohnungen untergebracht, die nach Abschluss der Sanierungsarbeiten noch Ende vergangenen Jahres bezogen wurden, daneben die Büroeinheit mit den Wandmalereien, in die in Kürze eine Rechtsanwaltskanzlei einziehen wird.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1,5 Millionen Euro. Die Freilegung und Restaurierung der Wandmalereien führte die Restauratorenfirma Artess aus Percha durch. Sowohl die Restaurierung der Wandmalereien als auch die Fassadenrestaurierung, die Dacheindeckung und die Restaurierung der Stuck- und Holzdecken wurden durch das Land Südtirol mit 220.000 Euro aus dem Budget der Bau- und Kunstdenkmalpflege mitfinanziert.
jw