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Interreg-Projekt: Flussräume ganzheitlich betrachten
(LPA) Flüsse sind ökologisch wichtige Lebensräume. Und bei Hochwasser eine Gefahr. Beide Sichtweisen zu vernetzen, keine auszuklammern oder auf Kosten der anderen zu bevorzugen, also Flüsse möglichst ganzheitlich zu betrachten und entsprechende Lösungsansätze auszuarbeiten, ist Ziel eines Interreg-III-B-Projektes mit dem Titel "River Basin Agenda". Das Projekt wird derzeit in sechs Staaten durchgeführt. Südtirols Landesabteilung Wasserschutzbauten beteiligt sich mit zwei Modellflussräumen: der unteren Ahr und dem oberen Eisack.
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Ganzheitlich ist das Projekt aber auch, weil es ein so genanntes Flussraumforum vorsieht, in dem alle Verantwortungsträger vor Ort eingebunden sind. "In diesem Forum werden auf der Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse in ausführlichen Diskussionen Maßnahmen entwickelt, die zum einen den Schutz der Bürger vor Hochwasser, zum andern aber die Verbesserung des ökologischen Zustandes des Flussraumes gewährleisten sollen", so Rudolf Pollinger, der Direktor der Abteilung Wasserschutzbauten. Diese Vorgangsweise entspricht auch der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die bis 2015 verbindlich in allen EU-Ländern verwirklicht werden soll.
Das erste Treffen eines dieser Flussraumforen in Südtirol hat nun in Sterzing stattgefunden. Teilgenommen haben neben den Experten auch alle Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, die zunächst ausführlich über die Entwicklung der Flussräume in den letzten 150 Jahren informiert wurden. Gleichzeitig wurde auch aufgezeigt, dass die möglichen Schadenssummen im Falle von Hochwasserereignissen stark angestiegen seien. "Ich bin vom großen Potenzial dieser Foren überzeugt", so Pollinger. "Denn nur anhand von guten Planungsgrundlagen und unter aktiver Beteiligung aller Verantwortungsträger lassen sich Lösungen anpeilen, die ganzheitlich und nachhaltig sind."
Eine Sichtweise, die offensichtlich auch von den Vertretern der Gemeinden geteilt wird. So bekräftigten alle Bürgermeister der betroffenen Gemeinden im Raum Sterzing ihr Interesse und ihre Bereitschaft, am Projekt aktiv mitzuarbeiten. Einigkeit herrschte im Forum auch darüber, dass – wenn alle verschiedenen Nutzungsansprüche, vom Siedlungsraum über die Landwirtschaft, den Verkehr, das Gewerbe, die Industrie bis hin zu den Freizeiteinrichtungen, berücksichtigt werden können – die angestrebten Lösungen auch von allen mitgetragen werden und den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung finden.
chr