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LR Widmann: "Wir können vom Projekt des Gotthard-Basistunnels lernen"
(LPA) Der Bau des Gotthard-Tunnels könne in vielerlei Hinsicht Vorbild für den Bau des Brennerbasistunnels sein. Dies ist das Fazit, das Landesrat Thomas Widmann nach seinem Besuch der Baustelle in Bodio (Tessin) zusammen mit Touristikern aus dem Eisack- und Wipptal zieht. Interessant erscheint vor allem auch die Nutzung der Magnetwirkung einer solchen Mammutbaustelle. Im Infozentrum am Gotthard-Tunnel werden beispielsweise jährlich 55.000 Besucher gezählt.
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"Die Analogien zwischen dem Gotthard- und dem Brenner- Basistunnel sind augenscheinlich", so Widmann. Vergleichbar ist nicht nur die Länge des Tunnels, sondern auch das Gebiet, in dem gebaut wird. "Auch am Gotthard haben wir es mit einem Alpental zu tun, das von einer Autobahn, einer Eisenbahnlinie und einer Kantonalstraße in unmitelbarer Nähe touristischer Zentren, etwa Bellinzona, Locarno oder Sedrun, durchzogen wird", so Widmann. Dass diese Zentren negative Auswirkungen in der Bauphase befürchtet hätten, liege auf der Hand.
Entsprechend groß sei die Skepsis bei der Bevölkerung gewesen, die vor allem die Umweltauswirkungen in einem Gebiet gefürchtet habe, das ohnehin bereits vom Transitverkehr gezeichnet sei, erklärte man der Südtiroler Delegation vor Ort. Auch die Ängste in Zusammenhang mit der Präsenz zahlreicher auswärtiger Arbeiter - derzeit sind es 1700, die in eigens geschaffenen Strukturen an der Baustelle beherbergt werden - seien groß gewesen.
Landesrat Widmann und den Südtiroler Touristikern bot sich nun allerdings ein anderes Bild: Die negativen Begleiterscheinungen der Baustelle seien auf ein Minimum reduziert worden, die Befürchtungen der Bevölkerung dank Information und Einbeziehung nahezu verschwunden. Gerade im Umweltbereich habe man zahlreiche Vorschläge der lokalen Umweltschutzgruppen verwirklicht, so die Information der Südtiroler.
Um die negativen Folgen für die Umwelt gering zu halten, sorgen Filter dafür, dass weder Staub noch Abgase nach außen gelangen. Das Abbaumaterial wird per Förderband aus dem Tunnel geschafft und zum Teil für die Schaffung einiger künstlicher Inseln und damit eines neuen Lebensraumes für Fauna und Flora in einem nahe gelegenen See verwendet.
"Auch beim Bau des BBT werden wir auf Schutzmaßnahmen von Umwelt und Bevölkerung besonderen Wert legen", so Widmann. Dazu gehöre - ähnlich wie am Gotthard - der Einsatz der Luftfilter und Förderbänder sowie die Errichtung von Lärmschutzwänden. Dazu komme eine Reihe so genannter Ausgleichsmaßnahmen, etwa die Begrünung der Baustellen oder die Schaffung von Biotopen.
Ein besonderes Augenmerk gilt darüber hinaus den Möglichkeiten, aus den Mammutbaustellen einen Mehrwert für die betroffene Bevölkerung zu erwirtschaften. Auch was diesen Aspekt betrifft, konnte man am Gotthard wertvolle Erfahrungen sammeln. So steht in Bodio ein Infocenter - ein ähnliches soll auch in Südtirol geschaffen werden -, das jährlich rund 55.000 Besucher anzieht. Interessant ist auch das Faktum, dass heute am Gotthard ein größerer Touristenstrom registriert wird, als vor der Einrichtung der Baustellen.
Und letztendlich schaffe man einen Mehrwert schon allein durch den Hauptzweck, den der Brennerbasistunnel einmal erfüllen soll: die Verlagerung von Teilen des Schwerverkehrs auf die Schiene. Die Modellrechnungen, die Widmann präsentiert, sehen rund 400 Züge täglich vor, von denen jeder rund 40 Container transportieren kann. "Wir gehen deshalb davon aus, dass täglich zwischen 8000 und 11.000 Container transportiert werden", so Widmann. Dies sei auch dringend notwendig, gehen Prognosen doch von einer Verdoppelung des Schwerverkehrs auf der Straße in den kommenden 15 Jahren aus.
chr